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Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in den USA


Gegen die Wand - Herbizidtolerante Pflanzen in den USA


Die ökologischen Auswirkungen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen sind seit ihrer Einführung umstritten. Diskutiert werden gestern wie heute Themen wie die Resistenzbildung von Unkräutern und Schadinsekten, negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, die Frage nach zunehmendem Pestizideinsatz sowie den Umweltwirkungen von Pestiziden, die bei herbizidtoleranten transgenen Pflanzen eingesetzt werden – vor allem dem glyphosathaltigen Roundup, dem Blockbuster-Herbizid des US-Konzerns Monsanto.

Um die realen Bedingungen, unter denen gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen, zu erfassen, ist ein Blick in die USA bedeutsam. Hier werden transgene Pflanzen am längsten angebaut, hier befinden sich die größten Anbauflächen. Zudem liegt, im Vergleich zu Ländern wie Brasilien, Argentinien, Indien oder China, eine vergleichsweise breite Zahl wissenschaftlicher Publikationen und Daten vor.

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Monokulturen
Aus diesen Daten ist ersichtlich, dass in den USA ein starker Zusammenhang zwischen Gentechnik und Monokulturen besteht, insbesondere bei herbizidresistenten Pflanzen wie Soja. So wurde laut aktuellen Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) im Jahr 2011 auf 94 Prozent der US-Sojafläche – eine Zahl, die recht genau mit dem Anteil transgener Soja übereinstimmt - kein Fruchtwechsel vorgenommen, d.h. Soja in Monokultur angebaut. Umgerechnet existieren damit in den USA Soja-Monokulturen auf 28,6 Millionen Hektar - das entspricht fast der Fläche Italiens. Hinzu gerechnet werden müssten noch die ebenfalls großflächigen Monokulturen bei herbizidtolerantem Mais und Baumwolle, für die jedoch keine genauen Angaben vorliegen.

Die gängige Anbaupraxis bei glyphosatresistenten Pflanzen führt in den USA insgesamt zu zunehmenden ökologischen Problemen, vor allem durch glyphosatresistente Unkräuter und steigenden Pestizideinsatz.

usda.mannlib.cornell.edu

Resistente Unkräuter breiten sich rasant aus
Mittlerweile gelten in den USA 14 Pflanzenarten (weltweit: 21) als resistent gegenüber Glyphosat, darunter Problemunkräuter wie Palmer Amaranth. Die betroffene Fläche ist in den USA innerhalb weniger Jahre auf derzeit 11 Millionen Hektar - das entspricht etwa der Größe der gesamten Ackerfläche Deutschlands - regelrecht explodiert. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2007 waren „nur“ 2,7 Millionen Hektar von glyphosatresistenten Unkräutern betroffen.

www.weedscience.org

Mehr Pestizide
Gentechnik-Anwender reagieren darauf vor allem mit gesteigertem Pestizideinsatz. Auf Feldern mit Gentechnik-Soja etwa ist seit Jahren sowohl eine starke Zunahme bei der Anwendung von Glyphosat als auch ein Trend zu einem Anstieg der gesamten Pestizidmenge zu erkennen (siehe Abbildung). Außer Glyphosat werden dabei offenbar auch Stoffe mit sehr hoher Toxizität eingesetzt. Laut Angaben der Universität Tennesee wird zum Beispiel das in Europa längst verbotene, weil hochgiftige Paraquat (Gramoxone) verwendet.

www.agweb.com

Vorwärts immer, rückwärts nimmer
Wie reagiert die Industrie nun auf die wachsenden Probleme, die sich aus dem Teufelskreis aus Monokulturen, Glyphosat und Unkrautresistenzen ergeben? Die Devise heißt zusammengefasst: Weiter so!
So zeigt ein Blick auf Genehmigungen und Zulassungsanträge, dass vermehrt transgene Pflanzen beantragt und genehmigt werden, die Resistenzgene gegen andere Pestizide als Glyphosat oder Mehrfachresistenzen enthalten. Einige Beispiele:
  • Monsanto arbeitet an Pflanzen, die gegen das Pestizid Dicamba resistent sind, 
  • Bayer bringt Pflanzen auf den Markt, die gegen den Wirkstoff Glufosinsat resistent sind, 
  • der Dow-Konzern erhielt unlängst eine Zulassung für den Anbau einer transgenen Maislinie, die widerstandsfähig gegen den Agent Orange-Bestandteil 2,4-D und so genannte AOPP-Pestizide ist, 
  • Duponts GAT-Soja wurde resistent gegen Glyphosat und Pestizide aus der Klasse der ALS-Inhibitoren gemacht.
Daneben werden immer öfter auch transgene Pflanzen zugelassen, die höhere Glyphosatdosen als bisher ertragen, zum Beispiel die Baumwoll-Linie „Roundup Ready Flex“ von Monsanto oder die GAT-Sojabohne von DuPont, die bis zu sechsmal mehr Glyphosat ertragen soll als die derzeit den Markt dominierende Roundup Ready Sojabohne von Monsanto.

Eskalation der Pestizidschlacht
Ob diese Strategie zu nachhaltigen Erfolgen bei der Lösung der Resistenzproblematik führen wird, ist höchst zweifelhaft. Bei Pestiziden wie 2,4-D, ALS-Inhibitoren oder Dicamba ist der eingeschlagene Weg schon jetzt als Sackgasse erkennbar. Denn bei den meisten der genannten Stoffe gibt es bereits aktuell ähnliche oder noch größere Probleme mit Unkrautresistenzen. So gelten in der Gruppe der synthetischen Auxine (zu denen Dicamba oder 2,4-D zählen) weltweit 28 Unkraut-Biotypen [1] als resistent, bei ALS-Inhibitoren sogar 112 [2]. Die USA sind schon heute weltweit (mit weitem Abstand) globaler Spitzenreiter bei der Zahl resistent gewordener Unkräuter [3]. Diese Position werden die Vereinigten Staaten durch die Strategie der Agrarkonzerne absehbar ausbauen. Zusätzlich ist mit einer steigenden Belastung für Umwelt, Mensch und Tier zu rechnen. Viele der Pestizide, gegen die die neuen herbizidtoleranten Pflanzen widerstandsfähig gemacht wurden, weisen teils noch ungünstigere toxikologische oder ökotoxikologische Eigenschaften auf als das in seiner Giftigkeit lange unterschätzte Glyphosat. Glufosinat (Markennamen Liberty bzw. Basta) wird in der EU beispielsweise wegen sein reproduktionstoxischer Eigenschaften nach Angaben des Bundeslandwirtschaftministeriums [4] spätestens 2017 in der EU verboten.

Und die Umwelt? Erst kürzlich erschien in der Fachzeitschrift Insect Conservation and Diversity eine Studie von Wissenschaftlern aus den USA und Mexiko [5], die den Schwund der Monarchfalterpopulation unter anderem auf die großen Flächen mit herbizidtoleranten Pflanzen zurückführt, da dort die Hauptnahrungspflanze der Raupen des Monarchfalters durch den Einsatz des Totalherbizids Roundup deutlich dezimiert sei.
Die Industrie führt indessen die Strategie des Wettrüstens auf dem Acker weiter. Erst im August 2011 verkündete die Firma Dow, dass sie einen Zulassungsantrag für eine dreifach herbizidtolerante Sojabohne eingereicht habe, die zugleich gegen Glyphosat, 2,4-D und Glufosinat resistent ist. Die Firma bezeichnet ihre Produkt als „unser Amazon Kindle“ und ist erfreut, diese „nächste Technologiestufe“ auf den Markt zu bringen.

Andreas Bauer-Panskus
epigen Wissenschafts- und Projektbüro

[1] SYNTHETIC AUXINS (O/4) RESISTANT WEEDS
[2] ALS INHIBITORS (B/2) RESISTANT WEEDS
[3] Herbicide Resistant Weeds Globally - 2010
[4] Neue rechtliche Regelungen für Pflanzenschutzmittel auf
[5] Decline of monarch butterflies overwintering in Mexico

Quellen:
Bonny, S. (2009) Issues, impacts, and prospects of the first transgenic crops tolerant to a herbicide. The case of glyphosate-tolerant soybean in the USA. Communication at the International Association of Agricultural Economists (IAAE) Conference, Beijing, China, August 16-22, 2009. mehr



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