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Samstag, 27. Juni 2009 - 9. Laufetappe  
Von Leipzig nach Rippach





Einen schöneren guten Abend wünsche ich,

hier ist es nämlich herbstlich kühl und grau, wolkenverhangen und regnerisch - hier auf dem Ferien- und Reiterhof Rippachtal in Klein Göhren. Das ist so ziemlich im Outback. Mehr Outback gibt es fast gar nicht, ich meine in Deutschland. Und das ungefähr 3 km von der Autobahn Berlin-Dresden entfernt. Um uns herum Getreide- und Zuckerrübenfelder so groß wie im Mittleren Westen. Ihr wisst schon was ich meine, North Dakota, Minnesota ….Felder die scheinbar so groß sein müssen, damit unsere Lebensmittel so billig sein können, wie sie sind. Ich kenne den Preis nicht für eine weiße Semmel und für ein Pfund weißen Zucker, da ich das glücklicherweise nie kaufen muss. Aber muss das alles wirklich so billig sein? Für Farmer, die solche Flächen bewirtschaften, mag ja die Agrogentechnik eine Verlockung darstellen. Da den Ertrag zu steigern, wäre schon eine feine Sache. Leider ein Trugschluss, denn wir bezahlen immer dafür. Da brauchen wir doch nur mal mit offenen Augen und offener Wahrnehmung nach USA und Kanada blicken, wo die Agrogentechnik mit ihren Verheißungen schon vor 12, 14 Jahren Einzug gehalten hat. Mit welchem Resultat? Heute ist (universitär-wissenschaftlich hinreichend bewiesen) der Einsatz von Agrochemie und Kunstdünger um 3 bis 4mal so hoch als davor. Viele Farmer haben aufgegeben, die Monokulturen haben sich weiter ausgebreitet und niemandem geht es besser. Oder schon? Den Konzernen, die mit Hilfe der Agrogentechnik ihren Absatz an Düngemitteln, Agrochemie und Saatgut steigern konnten.

Na ja, ich bin heute Abend um diese Zeit wohl doch schon zu erledigt, um über solche unlustigen Themen zu referieren. Wir sind beinahe zwei Tage durch Leipzig gelaufen. Gestern Vormittag von Norden her rein unter den startenden Flugzeugen hindurch und heute um Nachmittag erst haben wir die letzten Vororte hinter uns gelassen. Überwiegend auf hartem Asphalt, das kommt schon ganz nah an „politisch pilgern“ heran (sprich, mensch muss schon an seinen Auftrag glauben, um das durchzuziehen). Ein Lob meinen Mitwanderern!

Trotzdem war Leipzig eine Erfahrung, wir haben die Dimension dieser Stadt durchschritten, haben ein Gefühl dafür bekommen, was da passiert. Am ehesten hat man das Anrecht, so etwas zu behaupten, wenn man eine Stadt durchschreitet und mit den Menschen dort spricht. Auch nach zwei Jahrzehnten Neues Deutschland, vereintes Land, gibt es auffallend viele Baustellen: Neubaustellen, Umbaustellen und Urzustände verfallender Stadthäuser. Manchmal krass der Kontrast. Neu und hypermodern, daneben alt und verfallen - übergangslos.

Dankbar für die energetische Verstärkung der neu hinzugekommenen Wanderer starteten wir am Naschmarkt Richtung Südwesten, Richtung Rippach, unserem heutigen Ziel. Über endlose Ausfallstraßen, schon eine sehr flächige Stadt, dieses Leipzig. Cornelius meinte, diese 500.000 Menschen ließen sich doch auch auf weit weniger Platz unterbringen. Das war zumindest die Wahrnehmung. Wir kamen an einem Biomarkt vorbei und ließen es uns nicht nehmen, kurz reinzuschauen. Enttäuschend, zumindest das Personal wusste gar nichts von der Aktion Genfrei Gehen. Ja, ja, Kommunikation ist schon eine schwierige Sache.

Entlang des Kulkwitzer Sees bleibt die Stadt plötzlich zurück. Nach den Original Plattenbauten der letzen Kilometer ein abrupter Übergang, den wir alle gerne hinnehmen. Uff, aufatmen! Mit guten Gesprächen sind wir bald an der späten Mittagsstation in Gärnitz, der lauschige Biergarten der Grünen Eiche bietet (unterkühlte) Erholung.

Dass in Lützen Gustav Adolf von Schweden in der Schlacht gefallen ist, wussten die wenigsten. Die Cappuccino-Fraktion nutzte die nachmittägliche Rast an diesem historischen Ort auf jeden Fall. Immer waren es die Religionen, die Katholiken gegen die Protestanten. Kirchen, Religionen - na, da fang ich jetzt nicht mit an. Bin ja nicht umsonst ausgetreten. Lieber meditiere ich mit Unterstützung der spätnachmittäglichen Schweigestunde dem Ziel auf einem furchtbar geraden Endspurtstück entgegen. Wenn wir vor ein paar Tagen schon am „unbedeutendsten Ort der Erde“ vorbeigekommen sind, dann erlaube ich mir im Vorausgriff die Aussage, dass wir heute die unbedeutendste Etappe dieses Marsches hinter uns gebracht haben.

Rippach, 27.6. - 21.30 Uhr,
Joseph Wilhelm




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