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Sonntag, 12 Juli 2009 - 22. Laufetappe
Von Marburg nach Hommertshausen





Marmor, Stein und Eisen bricht.....

Das singt unsere Langstreckengruppe gleich nebenan hier auf dem "Girls Scout Camp". Sie wissen nicht, dass das mein Lieblingslied von Drafi Deutscher ist. Eine andere Zeit. Jetzt ist diese Zeit und in der sitze ich in meinem Wohnwagen, nachdem sich unsere Sonntagswanderung aufgelöst hat und genieße den traumhaften Ausblick über die Hügel des hessischen Hinterlandes. Dieser Begriff ist keine Erfindung von mir, sondern die offizielle geographische Bezeichnung für diesen Teil Hessens. So darf ich auf diesem Marsch meine Geographie- und Geschichtskenntnisse ständig erweitern.
Heute ist Sonntag und wir liefen von Marburg nach Hommertshausen. Dass es ein Sonntag ist, merke ich an der größeren Zahl von Mitwanderern. Heute kam sogar ein ganzer Omnibus aus dem Münsterland zur Verstärkung.

Ohne Stadtfest wäre Marburg wahrscheinlich noch schöner gewesen, so waren viele Gebäude mit Marktständen etc zugestellt. Gerade, dass wir einen Standplatz dazwischen vor dem Rathaus finden konnten für unseren morgendlichen Sammel- und Startpunkt. Steil geht es bergauf durch die Altstadtgassen zum Schloss als Aufwärmstrecke. Marburg erinnert mich an Tübingen, mensch spürt das Uni-, Studenten- und Professorenflair. Letzteres an den schönen alten Villen beim Weg aus der Stadt. Und schon waren wir mittendrin im hessischen Hinterland. Hierhin wurden unerwünschte Bürger von einem Kurfürsten in früheren Zeiten strafversetzt.

Bei der Vormittagspause begrüßen wir den an ein Space-Shuttle erinnernden Bus aus Münster. Uschi Taubitz, Inhaberin des Marktstandes „Uschis Biobrot“, organisierte diesen Bus schaffte es, einen ganzen Bus voll Mitgeher zu motivieren. Sie übertrifft sich selbst, indem sie uns auch noch 950 Unterschriften übergibt. Sie hat ein aktives Zeichen der Zivilcourage gesetzt und Mitmenschen vom Sonntagsbraten und der Torte abgehalten. Auf der anderen Seite höre ich dann einige jammern, dass sie einen Bus wegen mangelnder Teilnahme absagen mussten. Woran das wohl liegt? An der Stadt? An einem selbst? Ich für meinen Teil bin da eher so strukturiert, dass ich nie auf die Idee käme, andere (Umstände) für meine Befindlichkeit und für das Gelingen meiner Vorhaben verantwortlich zu machen. Eigenverantwortung übernehmen für das eigene Tun und Wohlergehen, eine niemals endende Übung, die unser Zusammenleben erleichtern hilft. Das war eine Abschweifung.

Zurück zum Weg. Flugs waren wir bei kühlem Wetter (das beflügelt die Schritte) dann am Mittagsziel angekommen: Diedenshausen, Ortsteil der Stadt Gladenbach.
Hab ich nie gehört, sorry. Ich meine nicht Diedenshausen, was ja bei 180 Einwohnern auch Zufall wäre, sondern Gladenbach. Da war dann das schmucke Bürgerhaus schon eine erfreuliche Überraschung, ebenso das Empfangskomitee, bestehend aus Ortsvorsteher Gerhard Schmidt, Frau Carola Heimann vom Naturpark Lahn-Dill-Bergland (www.lahn-dill-bergland.de) und Erwin Koch, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Nach einem genialen Linsendaal, zubereitet und spendiert von Petra und Volker Mehl (www.koch-dich-glücklich.de) gibt es authentische Wortbeiträge der Vorgenannten. Bewundernswert die klare Position von Herrn Koch in seiner Funktion als Kreisobmann, obwohl die Oberen des Bauernverbandes ja immer noch die obersten Befürworter und Lobbyisten der Agrogentechnik sind. Herr Koch gibt uns dann noch seine Wünsche an "Brüssel" mit, die sich auf die tragische Situation in der Landwirtschaft und in den immer leerer werdenden Dörfern beziehen. Ich als Bauernkind finde das auch alles bedauerlich und schade. „Schade“ hilft nicht, da spielt ja so vieles mit hinein. Ein enormer volkswirtschaftlicher und agrarkultureller Umbruch ist im Gange. Mensch muss sich dazu nur vergegenwärtigen, dass vor 100 Jahren noch über 60 % der Deutschen auf und vom Land gelebt haben, heute sind es gerade noch etwas über 3 %. (Nur eine Denkanregung, ist ein Thema für sich).

Vor dem Aufbruch zur Nachmittagsetappe lädt Volker Mehl noch zu einer auflockernden Yogaübung ein. Die spannenden Ausführungen Herrn Kochs zur Geschichte des Ortes und der agrarischen Entwicklung desselbigen muss ich leider abkürzen. Der Weg ruft. Auf diesem kommen mir dann Petra und Georg vom Bioladen Klatschmohn aus Giessen entgegen, hurra. Noch ein Berg, noch ein Tal, noch ein Anstieg und wir sind am „Girl Scout Camp" bei Hommertshausen angekommen. Was uns unsere Besatzungsmacht doch alles hinterlassen hat. Das Camp eher eine angenehme Hinterlassenschaft, die bei den Mitwanderern Freude auslöst. Ein Dach über dem Kopf für die Nacht. Die Sommerfreizeit-Einrichtung für die Töchter amerikanischer GIs aus Giessen und von sonst wo ging nun ins Eigentum der Gemeinde über.

Na ja, bezahlt haben wir ja genug dafür. Die Reduzierung der amerikanischen Streitkräfte in Deutschland rund 50 Jahre nach Kriegsende infolge der Wende war eine überfällige Errungenschaft.
Der Tag geht in den Abend über, die Essensgerüche von draußen ziehen herein und locken mich an.
Dann lass ich es gut sein für heute. Zudem liegt eine Woche "Land" vor uns, erst noch hessisches Hinterland und dann das Siegerland mit viel rauf und runter.

Mahlzeit und eine gute Woche wünscht
Joseph Wilhelm, Dautphetal




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