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Dienstag, 14. Juli 2009 - 24. Laufetappe
Von Hainchen nach Offhausen





„Kreuz und Quer“

So würde ich mein Buch nennen, sollte ich je eines schreiben. Kreuz und quer durch Deutschland. Oder Kreuz und quer durchs Leben.

Das kam mir heute beim Laufen so in den Sinn. Was einem eben so in den Sinn kommt, wenn mensch durch Deutschland läuft und versucht, nix zu denken. Das klappt ja meistens nicht, wenn es absichtsvoll ist. Wirklich eine harte Übung, die ich täglich während der Schweigestunde oder der Stunde „Meditatives Gehen“ versuche. Oder ich mache Atemübungen, dreimal tief ausatmen, einmal tief ein. Das löst durchaus Hochgefühle aus. Bis dann die Autobahn in Hörweite kommt. Beim Näherkommen springt einen der infernalische Lärm mit einer Brutalität an, die seinesgleichen sucht. Ich verstehe es immer noch nicht, dass unser aller Leben so brutale Nebenwirkungen auf Mensch und Umwelt haben muss. Ginge es nicht auch anders? Mit Alternativen befassen wir uns ja kollektiv kaum, da sie sonderbarerweise weniger Profit versprechen. Also muss eine Umpolung her, davon bin ich überzeugt. Wenn wir´s nicht freiwillig angehen, kommt diese schmerzhafter von selbst., noch läge es in unserer Hand.

Also zurück zur A 45. Was wird da alles transportiert? Wären es nur die lebensnotwendigen Güter, dann wäre sie wahrscheinlich nur zu einem Viertel voll. Der Großteil des Verkehrsaufkommens entsteht (aus meiner laienhaften) Einschätzung heute doch aus unnötigen Transporten. Transporten die aus Preisunterschieden resultieren, z.B. weil holländische Hühnchen billiger sind als bayerische. Oder weil bayerische Milch Hamburger glücklicher macht als die von schlesischen Flachlandkühen. Oder weil linke Schweinehälften mit EG-Subvention von Irland nach Italien gefahren werden müssen. Japanische Autos müssen vom Hafen nach Bayern geschafft werden und die mit dem tollen bayerischen Emblem in die Gegenrichtung. Macht uns das glücklicher? Oder gesünder? Ich nehme uns da nicht aus. O.k., Nordlichter wollen auch Zitrusfrüchte aus Sizilien oder Bayern wollen mal Krabben essen, das ist ja noch einzusehen. Dummerweise müssen die Krabben dann noch aus Lohnkostengründen über Marokko gefahren werden. Alles muss gefahren werden, denn Fahren bringt Wertschöpfung. Aus diesen Gründen wäre ich schon auch für die Idee von Herrn Werner, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Die Koppelung des Einkommens an den Warenfluss und die Materialvernichtung ist schon ein Drama. Mein Lieblingsbeispiel ist ja der Verkehrsunfall, wer dadurch alles Arbeit und Einkommen hat. Angefangen vom Polizisten, der die Unfallstelle regelt und das Geschehen aufnimmt über den Krankenwagen (im schlimmsten Fall den Leichenwagen), das Abschleppfahrzeug, die Autowerkstatt oder gar den Neuwagen. Nicht zu sprechen vom Krankenhaus und der Rehaklinik. Alle haben Arbeit, alle haben Einkommen. An diesem Beispiel dürfte doch jedem klar werden, wie tragisch die Messlatte „Bruttosozialprodukt“ ist. Durch den Unfall wird dieses erhöht, das Volkseinkommen, der Wohlstand steigt. Und das bei aller Lebensfeindlichkeit. Dasselbe gilt für alle möglichen Schrottprodukte, die keiner braucht und die nur in Werbung Menschen glücklich macht. Nachhaltigkeit wird immer noch nicht belohnt. Also gilt es, den Geldfluss vom Warenfluss loszulösen.

Na ja, ich merke schon, das führt im Rahmen meines Tagesberichtes zu weit. Außerdem ist es heute doch schon wieder mal recht spät geworden, die Tagesetappe von der Wasserburg Hainchen bis hierher zum Sportplatz Herkersdorf am Druidenstein war rund 32 km lang. Und einige Pausen waren doch nötig, um die Wanderer immer wieder zu sammeln. Denn die Gruppe hat sich heute extrem auseinandergezogen, so unterschiedlich sind die physischen Voraussetzungen. Herkersdorf gehört übrigens zur Gemeinde Offhausen.

Dazwischen lagen wirkliche Traumpfade mit phantastischen Ausblicken über das Siegerland. Was mir neu war und wie ich von einer sehr freundlichen Journalisten am Ziel erfahren habe, sind wir zwar in NRW gestartet, aber in Rheinland-Pfalz angekommen. Traumpfade mit Gedanken- und einer Traumfreiheit, die Mallorca mit Ballermann und Antalya blass und langweilig aussehen lassen. Außerdem passiert es in so einem Urlaub meist doch nicht - ich meine die Erfüllung der Sehnsüchte. Da hat Mutter/Vaterland doch einiges mehr an Tiefgang und Erlebnissen zu bieten. wenn mensch aktiv darauf zugeht. Dann machen ein paar fehlende Celsius-Grade nichts aus.
Zum Abschluss des Tages noch eine geniale Pasta von Andrea, was will mensch mehr! Grazie!

Herkersford am Druidenstein, 14.7.09
Joseph Wilhelm




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